06 / Karriere

Forschungsförderung: Stipendien und Grants

Forschungsförderung für den Nachwuchs: Stipendien, Projektförderung und Fellowships, wichtige Förderer in DACH und Europa und Tipps für den Antrag.

KarriereVeröffentlicht

Forschungsförderung für Studierende und Nachwuchsforschende gibt es in drei Grundformen: als Stipendium, das eine Person unterstützt, als Projektförderung für ein klar umrissenes Vorhaben und als Fellowship, das eine Forscherin oder einen Forscher mit eigenem Projekt an einer Gasteinrichtung finanziert. Das Geld kommt von Forschungsförderorganisationen, europäischen Programmen, Stiftungen, Begabtenförderungswerken, Hochschulen und teils aus der Wirtschaft. Jeder Förderer hat eigene Regeln, Fristen und Kriterien, und sie genau einzuhalten ist schon die halbe Arbeit.

Dieser Beitrag erklärt neutral, wie Förderung funktioniert. Er ersetzt weder die offiziellen Ausschreibungsunterlagen noch die Beratung durch Ihre Hochschule.

Förderarten im Überblick

Art Was gefördert wird Für wen Beispiele für Förderer
Stipendium Lebensunterhalt während Studium oder Promotion Studierende, Promovierende Begabtenförderungswerke, Stiftungen, Hochschulen, Landesgraduiertenförderung
Reise- und Auslandsförderung Tagungen, Forschungsaufenthalte, Feldforschung Promovierende, Postdocs DAAD, Hochschulen, Fachgesellschaften
Projektförderung Personal, Geräte, Sachmittel für ein Vorhaben Postdocs, Gruppenleitungen, Professuren DFG, FWF, SNF, Stiftungen
Nachwuchsprogramme und Fellowships Eigene Stelle und Projekt, teils eigene Gruppe Postdocs Nationale Programme, ERC, Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen
Preise Anerkennung, teils mit Preisgeld alle Karrierestufen Fachgesellschaften, Stiftungen, Hochschulen

Wichtige Förderer im deutschsprachigen Raum und in Europa

  • Deutschland: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Projekte und den wissenschaftlichen Nachwuchs, etwa über Graduiertenkollegs und Programme für die Zeit nach der Promotion. Dazu kommen die Begabtenförderungswerke, darunter die Studienstiftung des deutschen Volkes, der DAAD für internationale Aufenthalte, die Landesgraduiertenförderung einiger Bundesländer und zahlreiche private Stiftungen.
  • Österreich: Der Wissenschaftsfonds FWF fördert Grundlagenforschung, die Österreichische Akademie der Wissenschaften vergibt unter anderem Stipendien für Promovierende.
  • Schweiz: Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) ist der zentrale Förderer der Grundlagenforschung, ergänzt durch Hochschul- und Stiftungsmittel.
  • Europa: Der Europäische Forschungsrat (ERC) vergibt Grants an exzellente Forschende in verschiedenen Karrierestufen, die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen fördern Doktorandennetzwerke und Postdoc-Fellowships mit Mobilität.

Die Antragsberechtigung hängt oft von Karrierestufe (häufig gemessen in Jahren seit der Promotion), Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz, Fach und Gasteinrichtung ab. Prüfen Sie diese Punkte zuerst. Ein exzellenter Antrag, der sie nicht erfüllt, wird gar nicht begutachtet.

Passende Förderung finden

  1. Fragen Sie Betreuung und Kolleginnen, wer Arbeiten wie Ihre fördert.
  2. Wenden Sie sich an das Forschungsreferat oder die Graduiertenakademie Ihrer Hochschule; viele führen Förderlisten und Newsletter.
  3. Lesen Sie die Danksagungen in Artikeln Ihres Fachs. Dort steht, wer ähnliche Forschung finanziert.
  4. Verfolgen Sie Ausschreibungen von Förderorganisationen und Stiftungen und tragen Sie Fristen in einen Kalender ein, auch hochschulinterne Vorfristen.
  5. Nutzen Sie für EU-Programme die Beratung der EU-Referate und der nationalen Kontaktstellen.

Was einen Antrag förderfähig macht

Gutachtende bewerten nach den veröffentlichten Kriterien des Förderers, meist einer Mischung aus wissenschaftlicher Qualität, Machbarkeit, Qualifikation der antragstellenden Person und erwarteter Wirkung. Ein starker Antrag:

  • formuliert eine klare Frage und ihre Bedeutung, ähnlich einem guten Exposé
  • enthält einen Arbeits- und Zeitplan, der mit den beantragten Mitteln realistisch ist
  • zeigt, warum Sie und Ihre Einrichtung für das Vorhaben geeignet sind
  • begründet jede Budgetposition
  • hält Vorlage, Seitenzahl und Formatvorgaben exakt ein
  • geht auf Forschungsdatenmanagement, Ethik und Open Access ein, wo verlangt

Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Finanz- oder Rechtsberatung. Förderbedingungen, Beträge und Fristen ändern sich. Maßgeblich sind die aktuellen Ausschreibungsunterlagen; sprechen Sie vor der Antragstellung mit der Forschungsförderung Ihrer Hochschule.

Tipps zum Schreiben

  1. Früh anfangen, gute Anträge brauchen Wochen, manchmal Monate.
  2. Erfolgreiche Anträge von Kolleginnen lesen, sofern sie diese teilen.
  3. Für kluge Fachfremde schreiben, denn Gremien sind oft breiter besetzt als Ihr Spezialgebiet.
  4. Überschriften an den Bewertungskriterien des Förderers ausrichten.
  5. Mindestens eine Person außerhalb des Projekts gegenlesen lassen.
  6. Ein bis zwei Tage vor Fristende einreichen, Portale sind kurz vor Schluss oft überlastet.

Pflichten nach der Bewilligung

Mit dem Geld kommen Pflichten: Zwischen- und Abschlussberichte, Verwendungsnachweise, die Nennung des Förderers in Veröffentlichungen und häufig Open Access. Lesen Sie die Bewilligungsbedingungen gründlich.

Wenn der Antrag abgelehnt wird

Ablehnungen sind bei Förderanträgen häufig, auch bei sehr guten Vorhaben. Viele Förderer schicken die Gutachten oder eine Begründung mit. Lesen Sie diese sorgfältig, besprechen Sie sie mit Ihrer Betreuung oder dem Forschungsreferat und prüfen Sie, ob eine überarbeitete Neueinreichung möglich ist oder ein anderes Programm besser passt. Manche Förderer begrenzen Wiedereinreichungen; die Regeln stehen in der Ausschreibung.

Kleine Förderungen zählen auch

Reisekostenzuschüsse, Gebührenerlasse für Tagungen und kleine Sachmittel sind leichter zu bekommen und stärken Ihren Lebenslauf. Sie finanzieren etwa die Teilnahme an einer Tagung, siehe Konferenzbeitrag einreichen und vortragen. Wer noch am Anfang steht, findet unter Bewerbung für eine Promotion, wie Zulassung und Finanzierung zusammenhängen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Stipendium und Projektförderung?

Ein Stipendium fördert eine Person, etwa während der Promotion, meist mit einem monatlichen Betrag. Eine Projektförderung finanziert ein konkretes Forschungsvorhaben und kann Personal, Geräte, Reisen und Sachmittel abdecken. Fellowships liegen dazwischen und finanzieren meist eine Person mit eigenem Projekt an einer Gasteinrichtung.

Kann ich mich während der Promotion um ein Stipendium bewerben?

Ja, viele Begabtenförderungswerke, Stiftungen und Hochschulen vergeben Promotionsstipendien. Die Bedingungen unterscheiden sich stark, etwa bei Altersgrenzen, Fächern, Zeitpunkt der Bewerbung und Vereinbarkeit mit einer Anstellung.

Wer berät mich bei einem EU-Antrag?

Viele Hochschulen haben eigene EU-Referentinnen und -Referenten. Für die EU-Forschungsrahmenprogramme gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz außerdem nationale Kontaktstellen, die kostenlos zu Programmlinien und Antragstellung beraten.

Muss ich die Förderung in Veröffentlichungen angeben?

Ja. Förderer verlangen in der Regel eine Danksagung mit Förderkennzeichen, viele zusätzlich Open Access oder offene Daten. Die Bedingungen stehen im Bewilligungsschreiben.

Mehr aus Karriere