06 / Karriere
Bewerbung für eine Promotion
Bewerbung für eine Promotion: Individualpromotion oder Programm, Betreuung finden, Unterlagen, Exposé, Vorstellungsgespräch und Finanzierung klären.
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Für eine Promotion bewerben Sie sich entweder auf eine ausgeschriebene Stelle, ein Projekt oder ein strukturiertes Promotionsprogramm, oder Sie suchen sich mit eigenem Thema eine Professorin oder einen Professor als Betreuung und beantragen anschließend die Annahme als Doktorandin oder Doktorand bei der Fakultät. In beiden Fällen gehören Lebenslauf, Zeugnisse, ein Motivationsschreiben und meist Empfehlungen zur Bewerbung, bei eigenem Thema außerdem ein Exposé.
Die Regeln unterscheiden sich zwischen Hochschulen, Fakultäten und Ländern. Verbindlich sind die Promotionsordnung und die jeweilige Ausschreibung.
Die Wege zur Promotion
| Weg | Ablauf | Finanzierung |
|---|---|---|
| Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder Mitarbeiter | Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle an Lehrstuhl oder Forschungsinstitut, Promotion neben Projekt- oder Lehraufgaben | Arbeitsvertrag, häufig in Teilzeit |
| Strukturiertes Programm | Bewerbung bei Graduiertenschule, Graduiertenkolleg oder Promotionsprogramm, Kohorte mit Kursangebot | Stelle oder Stipendium, je nach Programm |
| Individualpromotion mit eigenem Thema | Betreuung suchen, Annahme bei der Fakultät beantragen | Muss oft selbst organisiert werden, etwa über ein Stipendium |
| Kooperative oder Industriepromotion | Forschung in oder mit einem Unternehmen, Betreuung durch eine Universität | Anstellung im Unternehmen, Regeln vorher klar vereinbaren |
In der Schweiz sind Doktorierende häufig an der Universität angestellt, in Österreich ist das Doktorat formal ein Studium mit eigenem Zulassungsverfahren. Prüfen Sie die Regeln vor Ort.
Wo Sie Promotionsstellen finden
- Stellenportale von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
- Websites von Arbeitsgruppen, deren Veröffentlichungen Sie kennen
- Wissenschaftliche Stellenbörsen und Newsletter von Fachgesellschaften
- Graduiertenschulen und Graduiertenkollegs, etwa die von der DFG geförderten
- Internationale Netzwerke, zum Beispiel die Doktorandennetzwerke der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen der EU
- Ihre bisherige Betreuung, die von offenen Stellen oft zuerst erfährt
Die Unterlagen
- Lebenslauf mit wissenschaftlichem Fokus: Studium, Abschlussarbeit, Methodenkenntnisse, Veröffentlichungen, Vorträge, Auszeichnungen
- Zeugnisse und Urkunden, bei ausländischen Abschlüssen eventuell mit Anerkennung
- Motivationsschreiben: warum dieses Projekt, warum diese Gruppe, warum Sie
- Empfehlungsschreiben oder Kontaktdaten von zwei bis drei Referenzen
- Exposé bei eigenem Thema, manchmal auch für ausgeschriebene Programme
- Arbeitsprobe, etwa die Masterarbeit, falls verlangt
- Sprachnachweise, wenn das Programm sie fordert
Ein überzeugendes Motivationsschreiben
Allgemeine Begeisterung für die Wissenschaft überzeugt niemanden. Zeigen Sie, dass Sie die Arbeiten der Gruppe kennen, und verbinden Sie Ihre Erfahrungen mit dem Projekt. Bewährt hat sich dieser Aufbau:
- Einstieg: auf welche Stelle Sie sich bewerben und der stärkste Grund, warum Sie passen.
- Hintergrund: Studium und Erfahrungen, die für das Projekt am wichtigsten sind.
- Interesse: Was Sie an Fragestellung oder Methode reizt, mit Bezug auf Arbeiten der Gruppe.
- Beitrag: Fähigkeiten oder Perspektiven, die Sie mitbringen.
- Schluss: frühester Beginn, kurzer, höflicher Abschluss.
Halten Sie die vorgegebene Länge ein, meist etwa eine Seite.
Das Exposé
Wer ein eigenes Thema vorschlägt, steht und fällt mit dem Exposé. Es nennt eine klare Forschungsfrage, ordnet sie in den Forschungsstand ein, benennt die Forschungslücke, beschreibt eine machbare Methode und enthält einen realistischen Zeitplan. Wie Sie es aufbauen, erklärt unser Ratgeber Exposé schreiben.
Betreuung ansprechen
Bei eigenem Thema schreiben Sie potenzielle Betreuende an, bevor Sie sich formal bewerben. Die erste E-Mail ist kurz: wer Sie sind, welches Thema Sie in zwei bis drei Sätzen verfolgen, warum Sie gerade diese Person ansprechen, dazu Lebenslauf und Projektskizze. Bleibt eine Antwort aus, ist eine freundliche Erinnerung nach etwa zwei Wochen in Ordnung. Viele Hochschulen empfehlen oder verlangen nach der Zusage eine schriftliche Promotionsvereinbarung, die Betreuung, Zeitplan und Pflichten festhält.
Das Vorstellungsgespräch
Häufig gehört eine kurze Präsentation dazu. Bereiten Sie vor:
- Ihre bisherige Forschung oder Ihr Exposé in der vorgegebenen Zeit.
- Warum Sie promovieren möchten und warum in dieser Gruppe.
- Methoden und mögliche Schwierigkeiten des Projekts.
- Eigene Fragen: Betreuungsintensität, Vertragslaufzeit, Lehrverpflichtung, Erwartungen an Veröffentlichungen, Arbeitsklima.
Typische Fehler in der Bewerbung
- Serienbrief statt Bezug: Ein Anschreiben, das auf jede Stelle passt, überzeugt keine Arbeitsgruppe.
- Lücken bei den Formalia: fehlende Zeugnisse, unvollständige Übersetzungen oder ein zu langes Exposé führen oft zum Ausschluss, bevor jemand den Inhalt liest.
- Zu großes Thema: Ein Exposé, das ein ganzes Forschungsfeld klären will, wirkt unrealistisch. Besser eine präzise Frage mit machbarem Plan.
- Referenzen nicht vorbereitet: Fragen Sie Ihre Gutachterinnen und Gutachter früh und schicken Sie ihnen Ausschreibung und Lebenslauf mit.
Finanzierung klären
Eine Promotion dauert mehrere Jahre. Klären Sie vor der Zusage, ob es sich um einen Arbeitsvertrag, ein Stipendium oder eine unfinanzierte Annahme handelt, wie lange die Finanzierung läuft und ob Reise- und Sachkosten abgedeckt sind. Ohne gesicherte Finanzierung lohnt der Blick auf Stipendien, etwa bei den Begabtenförderungswerken; einen Überblick gibt der Beitrag Forschungsförderung.
Beginnen Sie mit der Vorbereitung mehrere Monate vor der Frist. Gutachten einholen, ein Exposé schreiben und Feedback einarbeiten dauert fast immer länger als gedacht.
Häufige Fragen
Brauche ich für die Promotion einen Masterabschluss?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist in der Regel ein Master oder ein gleichwertiger Abschluss Voraussetzung, oft mit einer Mindestnote. Für besonders qualifizierte Bachelorabsolventen sehen manche Promotionsordnungen Ausnahmen oder Eignungsverfahren vor. Maßgeblich ist die Promotionsordnung der jeweiligen Fakultät.
Was ist der Unterschied zwischen Individualpromotion und strukturierter Promotion?
Bei der Individualpromotion arbeiten Sie weitgehend eigenständig an einem Thema, betreut von einer Professorin oder einem Professor. Bei der strukturierten Promotion sind Sie Teil eines Programms, etwa einer Graduiertenschule oder eines Graduiertenkollegs, mit Kursangebot und meist mehreren Betreuenden.
Wie spreche ich eine mögliche Betreuung an?
Mit einer kurzen, konkreten E-Mail: wer Sie sind, welches Thema Sie bearbeiten möchten, warum Sie gerade diese Person ansprechen, dazu Lebenslauf und eine Projektskizze von etwa einer Seite. Allgemeine Rundmails an viele Lehrstühle wirken selten.
Kann ich mit einem Abschluss einer Hochschule für angewandte Wissenschaften promovieren?
Ja, mit einem Masterabschluss ist das grundsätzlich möglich, meist an einer Universität, teils in Kooperation mit der HAW. In einigen Bundesländern haben forschungsstarke HAWs oder Promotionsverbände inzwischen ein eigenes Promotionsrecht. Die Regeln unterscheiden sich je nach Land und Hochschule.
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