04 / Veröffentlichen
Ein Paper veröffentlichen
Paper veröffentlichen in sechs Schritten: Fachzeitschrift wählen, Manuskript nach Autorenrichtlinien vorbereiten, Anschreiben, Peer Review und Überarbeitung.
VeröffentlichenVeröffentlicht
Ein Paper veröffentlichen Sie in sechs Schritten: passende Fachzeitschrift auswählen, Manuskript nach deren Autorenrichtlinien vorbereiten, mit kurzem Anschreiben einreichen, auf die Gutachten antworten und überarbeiten, bis die Herausgeberschaft annimmt, und schließlich Korrekturfahnen freigeben. Danach erscheint der Artikel online mit einer DOI.
Der Ablauf ist in den meisten Fächern ähnlich, die Gewichtung aber nicht. In der Informatik zählen begutachtete Konferenzbände oft so viel wie Zeitschriften, in Medizin und Lebenswissenschaften dominieren Journals, in den Geisteswissenschaften auch Sammelbände. Fragen Sie Ihre Betreuung, welche Publikationsorte in Ihrem Feld anerkannt sind.
Schritt 1: Ist die Arbeit reif für eine Publikation?
Ein Paper braucht einen klaren Beitrag: ein neues Ergebnis, eine Methode, einen Datensatz oder ein Argument, mit dem andere weiterarbeiten können. Prüfen Sie vorab:
- Die Forschungsfrage lässt sich in einem Satz formulieren
- Die Ergebnisse tragen eine Schlussfolgerung über den Einzelfall hinaus
- Daten, Code und Materialien sind so dokumentiert, dass Sie sie teilen oder beschreiben können
- Alle Beteiligten sind sich über Kernaussage, Autorenreihenfolge und Zielzeitschrift einig
Gerade die Autorenschaft sorgt später gern für Streit. Die Leitlinien der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und die Regeln Ihrer Hochschule geben hier Orientierung.
Schritt 2: Die richtige Zeitschrift wählen
Erstellen Sie eine Liste mit drei bis fünf Kandidaten und vergleichen Sie diese, bevor Sie die finale Fassung schreiben, denn Umfang und Format unterscheiden sich.
| Kriterium | Worauf Sie achten |
|---|---|
| Themenbereich | Erscheinen dort Arbeiten wie Ihre? Aktuelle Ausgaben lesen, nicht nur die Selbstbeschreibung |
| Leserschaft | Enges Fachpublikum oder breitere Leserschaft? |
| Artikeltypen | Forschungsartikel, Kurzmitteilung, Letter, Review, Datenpaper |
| Zugangsmodell | Abonnement, hybrid oder reines Open Access, eventuell mit Publikationsgebühr |
| Begutachtung | Single-blind, double-blind oder offen |
| Indexierung | In den Datenbanken Ihres Fachs gelistet, bei Open-Access-Zeitschriften im DOAJ |
| Bearbeitungszeit | Angaben zur Dauer bis zur ersten Entscheidung |
Für Open-Access-Gebühren lohnt ein Blick in die Universitätsbibliothek: Viele Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Verlagsvereinbarungen oder Publikationsfonds, die Kosten ganz oder teilweise übernehmen. Vorsicht bei Zeitschriften, die Sie ungefragt anschreiben oder eine Veröffentlichung in wenigen Tagen versprechen; die Warnsignale fasst unser Beitrag zu Raubverlagen zusammen.
Schritt 3: Das Manuskript vorbereiten
Empirische Artikel folgen meist dem IMRaD-Aufbau: Introduction, Methods, Results and Discussion, ergänzt um Titel, Abstract und Schlagwörter. Lesen Sie die Autorenrichtlinien Zeile für Zeile, insbesondere zu:
- Wort- oder Seitenbegrenzung und Aufbau des Abstracts
- Zitierweise (siehe Zitierstile)
- Format und Auflösung von Abbildungen
- Erklärungen zu Förderung, Interessenkonflikten, Ethikvotum und Datenverfügbarkeit
- Beiträgen der einzelnen Autorinnen und Autoren, oft nach der CRediT-Taxonomie
- Regeln zum Einsatz von KI-Werkzeugen
Hinweis: Verlage lassen KI-Werkzeuge in der Regel nicht als Autor zu und verlangen häufig, dass ihr Einsatz im Manuskript offengelegt wird. Maßgeblich ist die Richtlinie der jeweiligen Zeitschrift.
Schritt 4: Anschreiben und Einreichung
Das Anschreiben (Cover Letter) ist kurz: Anrede an die Herausgeberschaft, Titel und Artikeltyp, zwei bis drei Sätze zum neuen Beitrag und zur Passung, dazu die Versicherung, dass die Arbeit eigenständig ist und nirgendwo sonst begutachtet wird. Manche Zeitschriften bitten um Vorschläge für Gutachtende.
Die Einreichung läuft über das Online-System der Zeitschrift. Rechnen Sie damit, alle Autorendaten einzutragen, Dateien einzeln hochzuladen und Erklärungen zu bestätigen. Verknüpfen Sie Ihre ORCID iD, die Sie kostenlos unter orcid.org anlegen.
Schritt 5: Begutachtung und Überarbeitung
Zuerst entscheidet die Herausgeberschaft, ob das Manuskript überhaupt begutachtet wird. Eine Ablehnung ohne Begutachtung (Desk Reject) ist häufig und betrifft meist die Passung, nicht die Qualität. Nach dem Review lautet die Entscheidung in der Regel: Annahme, kleinere Überarbeitung, größere Überarbeitung oder Ablehnung.
So gehen Sie bei einer Überarbeitung vor:
- Gutachten lesen und mindestens einen Tag liegen lassen.
- Eine Tabelle anlegen: jeder Kommentar, Ihre Antwort, die Änderung im Text.
- Höflich und konkret antworten; Widerspruch mit Belegen begründen.
- Änderungen markieren, falls die Zeitschrift das verlangt.
- Prüfen, ob die neue Fassung die Längenvorgaben noch einhält.
Wie Gutachtende denken und welche Verfahren es gibt, erklärt der Beitrag So funktioniert Peer Review.
Schritt 6: Annahme, Korrekturfahnen und danach
Nach der Annahme unterzeichnen Sie eine Lizenz- oder Rechteübertragung, prüfen die Korrekturfahnen gründlich und geben sie fristgerecht frei. Ist der Artikel online, aktualisieren Sie Ihre Publikationsliste und legen, wo erlaubt, das akzeptierte Manuskript im Repositorium Ihrer Hochschule ab.
Kommt eine Ablehnung, nehmen Sie die Hinweise ernst, passen das Manuskript an die nächste Zeitschrift an und reichen erneut ein. Viele veröffentlichte Artikel wurden vorher schon einmal abgelehnt. Wer Ergebnisse zunächst auf einer Tagung zeigen möchte, findet Hinweise unter Konferenzbeitrag einreichen und vortragen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ein Paper erscheint?
Das schwankt stark nach Fach und Zeitschrift, von wenigen Monaten bis zu mehr als einem Jahr. Entscheidend sind die Geschwindigkeit der Gutachtenden, die Zahl der Überarbeitungsrunden und die Produktionszeit des Verlags. Viele Zeitschriften nennen typische Bearbeitungszeiten auf ihrer Website.
Darf ich ein Manuskript bei zwei Zeitschriften gleichzeitig einreichen?
Nein. Parallele Einreichungen gelten praktisch überall als Verstoß gegen die Publikationsethik. Warten Sie die Entscheidung ab oder ziehen Sie das Manuskript offiziell zurück, bevor Sie es woanders einreichen.
Kann ich als Masterstudent oder Masterstudentin ein Paper veröffentlichen?
Ja, wenn die Ergebnisse einen eigenständigen Beitrag leisten. In der Praxis geschieht das meist gemeinsam mit der Betreuung, die Erfahrung mit Zeitschriftenwahl und Begutachtung mitbringt. Klären Sie vorher, wer Erst- und wer Mitautor wird.
Brauche ich eine ORCID iD?
Viele Verlage verlangen sie mindestens für die korrespondierende Autorin oder den korrespondierenden Autor. Die ORCID iD ist kostenlos, ordnet Ihnen Ihre Publikationen eindeutig zu und lohnt sich früh in der Laufbahn.