07 / Technik

Neue Speichertechnologien: MRAM, ReRAM, PCM

Neue Speichertechnologien verständlich erklärt: wie MRAM, ReRAM und Phasenwechselspeicher Daten speichern, Stärken, Schwächen und heutiger Einsatz.

TechnikVeröffentlicht

Neue Speichertechnologien legen Information in einer physikalischen Eigenschaft eines Materials ab, etwa in der Magnetisierung, im elektrischen Widerstand oder in der atomaren Ordnung, statt sie als elektrische Ladung zu speichern. Die drei bekanntesten Familien sind MRAM (magnetoresistiver Speicher), ReRAM (resistiver Speicher, auch RRAM) und PCM (Phasenwechselspeicher). Alle sind nichtflüchtig, behalten Daten also ohne Strom, und sollen die Lücke zwischen schnellem, aber flüchtigem Arbeitsspeicher und langsamerem, dichterem Flash schließen.

Warum überhaupt neue Speicher?

Computer arbeiten mit einer Speicherhierarchie. Jede Ebene ist ein Kompromiss aus Geschwindigkeit, Kapazität, Kosten und Energiebedarf:

Speicher Geschwindigkeit Daten ohne Strom Typischer Einsatz
SRAM sehr schnell nein Caches im Prozessor
DRAM schnell nein Arbeitsspeicher
NAND-Flash langsamer, vor allem beim Schreiben ja SSDs, Speicherkarten, Smartphones
Eingebetteter Flash mittel ja Programmspeicher in Mikrocontrollern
MRAM, ReRAM, PCM je nach Auslegung zwischen DRAM und Flash ja eingebetteter Speicher, Spezialprodukte, Forschung

Zwei Entwicklungen treiben das Interesse. Erstens lässt sich eingebetteter Flash immer schwerer in moderne Chipfertigung mit sehr kleinen Strukturen integrieren. Zweitens verbraucht der Transport von Daten zwischen Speicher und Prozessor einen großen Teil der Energie heutiger Rechner. Gesucht sind deshalb Speicher, die näher an der Logik sitzen oder sogar selbst rechnen.

MRAM: Bits als magnetische Ausrichtung

MRAM speichert jedes Bit in einem magnetischen Tunnelkontakt: zwei ferromagnetische Schichten, getrennt durch eine hauchdünne Isolatorschicht. Die eine Schicht ist fest magnetisiert, die andere lässt sich umschalten. Zeigen beide in dieselbe Richtung, ist der elektrische Widerstand niedrig, zeigen sie gegeneinander, ist er höher. Beim Lesen wird dieser Widerstand gemessen.

Heute verbreitet ist STT-MRAM (Spin-Transfer-Torque), bei dem ein spinpolarisierter Strom die freie Schicht umschaltet. SOT-MRAM (Spin-Orbit-Torque) ist eine Forschungsrichtung, die Lese- und Schreibpfad trennt.

  • Stärken: schnell, sehr hohe Schreibfestigkeit, nichtflüchtig, strahlungsrobust, mit üblichen Chipprozessen kombinierbar.
  • Grenzen: aufwendigere Fertigung, geringere Dichte als Flash, Zielkonflikt zwischen Datenhaltedauer und Schreibenergie.

ReRAM: schaltbarer Widerstand im Oxid

Eine ReRAM-Zelle besteht aus einer dünnen isolierenden Schicht, oft einem Metalloxid, zwischen zwei Elektroden. Eine angelegte Spannung bildet einen winzigen leitfähigen Pfad, häufig Filament genannt, oder löst ihn wieder auf. So wechselt die Zelle zwischen hohem und niedrigem Widerstand.

  • Stärken: einfacher Aufbau, niedrige Spannungen, Potenzial für dichte 3D-Stapelung und Zwischenwerte des Widerstands, die für analoges und neuromorphes Rechnen interessant sind.
  • Grenzen: Streuung zwischen Zellen und Schaltzyklen, Schreibfestigkeit meist geringer als bei MRAM.

PCM: zwischen Glas und Kristall

Phasenwechselspeicher nutzen Materialien, meist Chalkogenid-Legierungen, die zwischen einem amorphen (ungeordneten, hochohmigen) und einem kristallinen (geordneten, niederohmigen) Zustand wechseln können. Ein kurzer, starker Strompuls schmilzt ein winziges Volumen auf und lässt es schnell erstarren, sodass es amorph wird. Ein längerer, schwächerer Puls lässt es kristallisieren.

Dieselbe Materialfamilie steckte lange in wiederbeschreibbaren optischen Datenträgern, in denen die beiden Phasen Licht unterschiedlich reflektieren.

  • Stärken: gut verstandene Physik, gute Skalierbarkeit, mehrere Widerstandsstufen pro Zelle möglich.
  • Grenzen: vergleichsweise hohe Schreibenergie durch das Aufheizen und eine langsame Drift des Widerstands im amorphen Zustand.

Die drei Techniken im direkten Vergleich

Merkmal MRAM ReRAM PCM
Speicherprinzip magnetische Ausrichtung im Tunnelkontakt leitfähiger Pfad in einem Oxid amorpher oder kristalliner Zustand
Schreibfestigkeit sehr hoch mittel mittel
Besonderheit robust, schnell einfacher Aufbau, Zwischenwerte mehrere Stufen pro Zelle
Hauptschwäche Fertigungsaufwand, Dichte Streuung Schreibenergie, Drift

Die Einordnung ist bewusst qualitativ, denn konkrete Kennwerte hängen stark vom jeweiligen Design und Fertigungsprozess ab.

Stand der Industrie

Das Feld bewegt sich schnell. Die folgenden Punkte sind ein Überblick mit Stand Oktober 2026, keine Marktanalyse:

  • Mehrere große Auftragsfertiger bieten eingebettetes MRAM in ihren Prozessen an, vor allem für Mikrocontroller, Automobilanwendungen und stromsparende Geräte.
  • Eingebettetes ReRAM wird von Auftragsfertigern und spezialisierten IP-Anbietern angeboten oder angekündigt; das Umfeld ist breit.
  • Eine bekannte Produktlinie für Speicher zwischen DRAM und SSD, die auf einer resistiven Kreuzpunkt-Technik beruhte, wurde Anfang der 2020er-Jahre eingestellt. Das zeigt, wie schwer es ist, gegen DRAM und Flash bei den Kosten zu bestehen.
  • Weitere Kandidaten wie ferroelektrische Speicher werden erforscht, ebenso der Einsatz resistiver Speicher für In-Memory- und neuromorphes Rechnen.

Wie Sie sich weiter einarbeiten

Für den Einstieg eignen sich Übersichtsartikel und Tagungsbände aus Bauelementphysik und Elektrotechnik; eine strukturierte Literaturrecherche in Datenbanken wie IEEE Xplore hilft dabei. Viele Ergebnisse erscheinen zuerst auf Fachtagungen; wie solche Konferenzen funktionieren, erklärt Konferenzbeitrag einreichen und vortragen. Weil Speicherforschung eng mit der Industrie verbunden ist, spielen Schutzrechte eine große Rolle, siehe Patente für Forschende. Wer eigene Ergebnisse veröffentlichen möchte, findet den Weg unter Ein Paper veröffentlichen.

Häufige Fragen

Was bedeutet nichtflüchtiger Speicher?

Nichtflüchtiger Speicher behält seine Daten, wenn der Strom abgeschaltet wird. Flash in USB-Sticks und SSDs ist nichtflüchtig, der DRAM-Arbeitsspeicher eines Computers dagegen flüchtig: Ohne Strom ist sein Inhalt verloren.

Wird MRAM schon in Produkten eingesetzt?

Ja. Eigenständige MRAM-Chips gibt es seit Jahren für spezielle Anwendungen, und mehrere Halbleiter-Auftragsfertiger bieten eingebettetes MRAM als Option in ihren Fertigungsprozessen an, etwa für Mikrocontroller und Automobilelektronik. Verglichen mit Flash und DRAM ist der Anteil aber noch klein.

Ersetzen diese Technologien bald DRAM und SSDs?

In Allzweckcomputern absehbar nicht. DRAM und NAND-Flash sind extrem ausgereift und pro Bit sehr günstig. Neue Speicher besetzen eher Nischen, etwa als Ersatz für eingebetteten Flash oder für neue Rechenkonzepte.

Was ist In-Memory-Computing?

Beim In-Memory-Computing werden manche Rechenoperationen direkt im Speicherfeld ausgeführt, statt Daten ständig zum Prozessor und zurück zu schieben. Resistive Speicher wie ReRAM und PCM werden dafür erforscht, weil ihr Leitwert Gewichte neuronaler Netze abbilden kann. Vieles davon ist noch Forschung.