05 / Präsentieren

Wissenschaftliches Poster gestalten

Wissenschaftliches Poster gestalten: Aufbau, Textmenge, Abbildungen, Farben, Software, Druck in DIN A0 und wie Sie Ihr Poster in der Postersession vorstellen.

PräsentierenVeröffentlicht

Ein wissenschaftliches Poster funktioniert, wenn Vorbeigehende Ihre zentrale Erkenntnis aus einigen Metern Entfernung in wenigen Sekunden erfassen. Dazu braucht es einen aussagekräftigen Titel, eine klare Kernbotschaft, zwei oder drei starke Abbildungen und sehr wenig Fließtext. Die Details gehören in das Gespräch mit den Menschen, die stehen bleiben.

Bevor Sie gestalten, lesen Sie die Posterhinweise der Tagung. Format, Ausrichtung und Zeiten der Postersession stehen dort und gehen jeder Vorlage vor.

Zuerst die formalen Vorgaben klären

  • Maximale Größe und Ausrichtung der Posterwand (Hoch- oder Querformat)
  • Vorgegebene Vorlage, Logoregeln oder Posternummer
  • Termin der Postersession, Auf- und Abbauzeiten
  • Wird zusätzlich eine digitale Fassung oder ein Kurzvortrag („Poster Pitch“) erwartet?
  • Befestigungsmaterial: Nadeln, Klebeband oder Klett vor Ort vorhanden?

DIN A0 (841 × 1189 mm) im Hochformat ist auf Tagungen im deutschsprachigen Raum verbreitet, manche Veranstalter wünschen aber andere Maße. Verwenden Sie genau das angegebene Format.

Aufbau: So wandert der Blick über das Poster

Gelesen wird in Spalten, von links oben nach rechts unten. Ein klassischer Aufbau:

Bereich Inhalt
Kopfzeile (ganze Breite) Titel, Autorinnen und Autoren, Institutionen, Logos falls erlaubt
Spalte 1 Hintergrund und Forschungsfrage in wenigen Zeilen
Spalte 2 Methode als Schema oder kurze nummerierte Abfolge
Spalte 3 Ergebnisse mit der Hauptabbildung, groß und beschriftet
Fußleiste oder Seitenfeld Fazit und Kernbotschaft, Literatur, Kontakt, QR-Code

Eine beliebte Alternative stellt die zentrale Erkenntnis als großen Satz in die Mitte, umgeben von Abbildungen und Methode. Das bewährt sich in vollen Sessions, in denen Menschen im Vorbeigehen entscheiden, ob sie stehen bleiben.

Text: weniger, als Sie denken

  • Titel: Nennen Sie das Ergebnis oder die Frage, nicht nur das Thema. „Höhere Bodenfeuchte bremst das Wurzelwachstum junger Buchen“ sagt mehr als „Untersuchung zum Wurzelwachstum“.
  • Schriftgröße: Den Titel sollte man aus mehreren Metern lesen können, den Fließtext aus etwa einem Meter. Drucken Sie zur Probe einen Ausschnitt in Originalgröße aus.
  • Sätze: kurz und aktiv, lieber Stichpunkte als Absätze.
  • Literatur: nur das Nötigste, klein am unteren Rand, im üblichen Zitierstil Ihres Fachs.

Abbildungen und Farben

  1. Wählen Sie die eine Abbildung, die Ihr Ergebnis am besten zeigt, und machen Sie sie zum größten Element.
  2. Vereinfachen Sie Diagramme: überflüssige Gitterlinien weg, Achsen gut lesbar beschriften, Beschriftungen möglichst direkt an die Linien statt in eine Legende.
  3. Beschränken Sie sich auf zwei bis drei Farben plus Grau und prüfen Sie, ob das Poster auch bei Farbsehschwächen funktioniert.
  4. Verwenden Sie hochaufgelöste Grafiken. Was aus einer Folie kopiert wird, wirkt in A0 oft unscharf.
  5. Lassen Sie Weißraum. Ein überladenes Poster wirkt anstrengend, und die Leute gehen weiter.

Software und Vorlagen

PowerPoint, LibreOffice Impress, Inkscape, Adobe Illustrator oder InDesign, Affinity Publisher, Canva und LaTeX eignen sich gleichermaßen. Stellen Sie das Endformat von Anfang an ein, statt später zu skalieren, betten Sie Schriften ein und exportieren Sie als PDF. Viele Hochschulen stellen Postervorlagen im Corporate Design bereit; prüfen Sie, ob sie zum Format der Tagung passen und ob die Nutzung des Hochschullogos geregelt ist.

Drucken lassen

Bestellen Sie rechtzeitig, denn vor großen Tagungen haben Druckereien viel zu tun. Die üblichen Wege:

  • Papier, matt oder seidenmatt: gestochen scharf und in der Regel günstiger, Transport in der Posterrolle.
  • Stoff: faltbar, leicht und robust auf Flugreisen.
  • Hausdruckerei der Hochschule: Viele Universitäten drucken Poster für Beschäftigte und Studierende selbst, teils zu günstigen Konditionen.

Sehen Sie sich vor der Bestellung einen Proof oder zumindest die PDF in 100-Prozent-Ansicht an. Es gelten dieselben Regeln wie beim Drucken und Binden einer Abschlussarbeit: eingebettete Schriften, korrektes Format, scharfe Bilder.

Typische Fehler vermeiden

  • Das Abstract als Fließtext aufs Poster kopiert: Niemand liest auf einer Tagung eine halbe Seite Text im Stehen.
  • Zu viele Abbildungen in Briefmarkengröße: Lieber eine große, gut beschriftete Grafik als sechs kleine.
  • Kein Kontakt: Ohne E-Mail-Adresse oder QR-Code verlieren Sie Interessierte, die zufällig vorbeikommen, während Sie gerade nicht am Poster stehen.
  • Format nicht geprüft: Ein Querformat-Poster an einer Hochformat-Wand ragt über den Rand oder wird gar nicht aufgehängt.

In der Postersession

  1. Bereiten Sie eine Zusammenfassung von etwa einer Minute vor: Frage, Vorgehen, Hauptergebnis.
  2. Stellen Sie sich neben das Poster, nicht davor, und sprechen Sie Interessierte mit einer kurzen Frage an.
  3. Passen Sie die Tiefe an: Fachleute wollen Methoden, Fachfremde die Geschichte dahinter.
  4. Halten Sie Visitenkarten, ein Handout oder einen QR-Code zum Preprint oder Profil bereit.
  5. Notieren Sie danach Fragen und Kontakte; daraus entstehen oft Kooperationen.

Wer zusätzlich einen Kurzvortrag halten soll, findet Hilfe unter Konferenzbeitrag einreichen und vortragen. Viele Poster sind eine Vorstufe zu einem Artikel; wie es dann weitergeht, beschreibt Ein Paper veröffentlichen.

Häufige Fragen

Welches Format hat ein wissenschaftliches Poster?

Das legt die Tagung fest. Im deutschsprachigen Raum ist DIN A0 im Hochformat (841 mal 1189 Millimeter) weit verbreitet. Nordamerikanische Konferenzen geben Formate oft in Zoll und häufig im Querformat vor. Halten Sie sich genau an die Angaben.

Wie viel Text gehört auf ein Poster?

So wenig wie möglich. Besucherinnen und Besucher bleiben meist nur kurz stehen, deshalb muss die Kernbotschaft in Sekunden erfassbar sein. Details gehören ins Gespräch, auf ein Handout oder hinter einen QR-Code.

Mit welchem Programm gestalte ich ein Poster?

Mit dem, das Sie sicher beherrschen: PowerPoint, LibreOffice Impress, Inkscape, Adobe- oder Affinity-Programme, Canva oder LaTeX mit einer Posterklasse. Wichtig ist, dass Sie das exakte Endformat einstellen und eine hochaufgelöste PDF exportieren können.

Papier oder Stoff: was ist besser?

Papierposter sind meist günstiger und wirken gestochen scharf, brauchen aber eine Posterrolle. Stoffposter lassen sich falten und reisen problemlos im Koffer mit. Lassen Sie sich Lieferzeiten bestätigen und prüfen Sie Farben vorab.